Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal mit meinem frisch erworbenen »systemischen Ansatz« in ein Medientraining hineingegangen bin. Ich war so aufgeregt wie als junger Mann kurz vor einem Date mit einer unglaublich attraktiven Frau. Wie soll ich das jetzt bloß angehen? Werden die merken, dass ich total aufgeregt bin – und was denken die dann von mir? Und ich habe mir dann – ohne Witz – Spickzettel gemacht, die ich unter dem Tisch festhielt und die mir Orientierung gaben.

Ich wusste nicht ein, nicht aus. Und der Chef der PR-Agentur, für die ich damals gearbeitet hatte, gab mir bei dieser für mich neuen Vorgehensweise noch die Bemerkung mit auf den Weg: »Martin, ich will dich ja nicht unter Druck setzen, aber das ist ein wahnsinnig wichtiger Kunde für uns.«

Am Ende ist es dann alles gut gelaufen, sehr gut sogar – der Kunde blieb über viele Jahre hinweg mein Stammkunde. Aber ich habe bis heute immer wieder Struggle mit bestimmten Elementen der systemischen Ausrichtung meiner Trainings. Ein Element, das mich regelmäßig an meine Grenzen bringt, ist die Auftragsklärung.

Auftragsklärung kann extrem vielschichtig sein

In der vergangenen Woche war ich ganztägig für ein Medientraining gebucht, nichts Ungewöhnliches, und doch bin ich bereits bei der »Auftragsklärung« ins Schwitzen gekommen. Was ist passiert? 

Standardmäßig frage ich zu Beginn des Trainings immer alle meine Trainees: »Was muss heute passieren, damit Sie hinterher sagen: Das Medientraining hat sich gelohnt?« Eine Frage, die dann oft beantwortet wird mit so Sätzen wie: »Ich rede mich immer um Kopf und Kragen – und ich will einfach mehr auf den Punkt kommen.« Oder: »Mir ist übel, meine Hände zittern, mein Herz rast – ich muss dringend meine Nervosität in den Griff bekommen.«  Oder: »Sobald ich vor der Kamera sitze, werde ich nervös – und man sieht das leider auch hinterher in der Aufzeichnung. Ich will unbedingt souveräner rüberkommen – und vor allem natürlich auch einen guten Eindruck hinterlassen!«

Das Formulieren dieser Wünsche und Ansprüche an das Training ist in der Regel in fünf Minuten abgehakt. Nicht so dieses Mal: Die Auftragsklärung war extrem vielschichtig und erst nach einer Stunde (!) abgeschlossen. In diesen sechzig Minuten gingen mir tausend Dinge durch den Kopf. Bei mir entstehen dann schnell Gedanken wie »Herrje, das ist doch jetzt echt verschenkte Zeit!« und »Wir müssen aufhören mit Reden und endlich mit dem Training anfangen!«. Mein innerer Kritiker wird richtig aufdringlich und laut. Am liebsten würde ich den Einwänden nachgeben und schnellstmöglich zum »eigentlichen« Training übergehen. Dabei ist die Auftragsklärung eines der wichtigsten Elemente im Systemischen Medientraining. Warum? Während der Auftragsklärung wird penibel genau herausgearbeitet, was genau trainiert und woran genau gearbeitet wird – und das alles aus der Perspektive des Trainees – denn nur er weiß, was wirklich hilfreich für ihn wäre. 

Trainee ist der Experte für den Lernprozess

Diese Haltung zeichnet den systemischen Ansatz für mich tatsächlich in großen Teilen aus. Ich komme als Trainer nie als Experte um die Ecke, sondern die Person, die sich von mir trainieren lässt, gestaltet in eigener Verantwortung, worum sich das Training thematisch drehen soll. Natürlich stehe ich beratend zur Seite, aber das Anliegen des Trainees kann stark davon abweichen, was ich persönlich an Bedarf zu sehen glaube. 

Diese Kehrtwende im Denken war für mich keine leichte Nummer und fordert mich bis heute heraus. Gewohnheitsbedingt bin ich als Trainer in ein Training gegangen wie ein Lehrer in eine Schulkasse und habe den Leuten erklärt, was sie nicht wissen oder was sie lernen sollten. Dieser Twist im Kopf, dass allein der Trainee selbst weiß, was er braucht und welche Lösung er für sich anstrebt – das erfordert von mir eine sehr offene und unvoreingenommene Haltung. Nur dann können die Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Erwartungen hinter dem anfänglich formulierten Problem herausgearbeitet werden. Und das braucht neben einem wertschätzenden und vertrauensvollen Setting eben einfach auch Zeit. Und erst erst dann folgen die weiteren Elemente im Medientraining, zu finden hier: https://silver-mediaconsulting.com/medientraining-fuer-fuehrungskraefte/

Nach meiner Erfahrung ergeben sich die spannendsten Antworten in der Auftragsklärung tatsächlich erst nach längeren Gedankenpausen und der abschließenden Bemerkung »Das war‘s eigentlich«. Wenn ich dann dem Trainee Zeit lasse, um dem Gesagten nachzuspüren, und nicht sofort reagiere, dann kommt oft noch so ein Nachschlag wie »Ach so, vielleicht noch…«. Ich weiß gar nicht, warum mir das manchmal leichter und manchmal schwerer fällt, dem Trainee diese Zeit zu schenken. Letztlich mache ich eigentlich immer die Erfahrung, dass die Zufriedenheit des Trainees deutlich steigt, wenn die Auftragsklärung genügend Raum bekommen hat anstelle von schnell, schnell vor die Kamera und schnell, schnell ins »echte« Training. 

Auftragsklärung schafft Leitfaden für das Medientraining

Wie könnte es anders sein: Auch das Training in der vergangenen Woche mit schier unerträglich langen 60 Minuten Auftragsklärung hat dem Trainee sehr dabei geholfen, dass wir am Ende genau das trainiert und besprochen haben, was für ihn wichtig und hilfreich und letztlich für das Medientraining ingesamt erfolgreich war.

Im Systemischen Medientraining geht es – das ist ein zentrales Anliegen – darum, das zu trainieren, was den Interessen und Bedürfnissen des Trainees entspricht. Im Gegensatz zu einem Vortrag über »Souveränes Auftreten vor der Kamera« belasse ich als Systemischer Medientrainer die Verantwortung für das gute Gelingen des Trainings beim Trainee: Es ist sein Bedarf, also ist er auch der Experte, wenn es um seine individuellen Lösungen geht. Diese Form der Selbstverantwortlichkeit bringt dem Trainee schon bei der Auftragsklärung die Erkenntnis: »Es ist einzig und allein mein persönliches Anliegen, um das es jetzt gleich gehen wird«. Und das gilt auch für die alles entscheidende Frage: »Was machen wir jetzt daraus?«. Genau das ist der Leitfaden für das anschließende Training mit mir. 

Um Sie als Trainee hilfreich zu unterstützen, begleite ich Ihre individuelle Lösungsfindung, indem ich gezielt nachfrage, neue Perspektiven eröffne, kreativ mitdenke und neue Ansätze aufzeige. Bei Bedarf stelle ich Ihnen darüber hinaus gerne meine Expertise als Wirtschaftsjournalist zur Verfügung, aber nur dann, wenn es für Sie im laufenden Prozess zielführend ist. 

Klingt das interessant für Sie? Oder haben Sie noch weiterführende Fragen zum Systemischen Medientraining? Ich freue mich jedenfalls darauf, Sie und Ihr Anliegen kennenzulernen. 

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