Glücklicherweise nur einmal hat es wirklich überhaupt nicht gepasst. Aber mein Eindruck war natürlich: ich bin der „falsche Medientrainer“. Aber vielleicht war es nur der „falsche Zeitpunkt“ oder vielleicht sogar die „nicht passende Vorgehensweise“, die zum Abbruch des Medientrainings durch den Kunden führte. Aber der Reihe nach:

Der Geschäftsführer hatte gerade sein Amt angetreten und eine strategisch sehr wichtige Rede zu halten. Darauf wollte er sich in einem Medientraining vorbereiten, das sehr kurzfristig und ohne Vorgespräch anberaumt wurde. Ich reiste mit Kameramann an. Damals war das noch üblich, mit einem Kameramann im Medientraining zu arbeiten, heute ist es eher die Ausnahme. Die Begrüßung und Vorstellung waren sehr freundlich und dann begann das Training. Die Rede lag mir nicht vor – und dem Geschäftsführer allerdings leider bislang auch nicht. Er hatte sich nicht die Zeit genommen (oder nehmen wollen) einen Blick darauf zu werfen. So eilte er zurück in sein Büro, um die Rede auszudrucken, sich dann vor die Kamera zu stellen und sofort loszulegen.

Beginn einer „mittleren Katastrophe“

Es war der Beginn einer mittleren Katastrophe, und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich dafür mitverantwortlich war. Schon zu Beginn zeichnete sich ab, dass sich diese Rede nicht vortragen lässt – sie enthielt geschriebene, nicht gesprochene Sprache. Dann enthielt sie – das merkte der Geschäftsführer während des Vortrages – auch sachliche Fehler. Und zu allem Unglück, war der Geschäftsführer so unter Strom, dass er nicht in der Lage war, diese Rede in einer Form vorzutragen, die „präsentabel“ war. Es hörte sich an wie ein Märchenerzähler. Und das alles – das war damals mein Fehler – haben wir mit der Kamera aufgezeichnet und ihm anschließend gezeigt. Um es kurz zu machen: der Geschäftsführer beendete das Medientraining nach einer Stunde. mit der – durchaus nachvollziehbaren – Begründung, dass er zu allererst und unbedingt jetzt sofort an der Rede arbeiten müsse. Sprach´s und verließ den Trainingsraum.

War ich damit der „falsche Medientrainer“? Ich bin relativ sicher, dass dem nicht so war, aber ich habe einen entscheidenden Fehler begangen (den ich heute nicht mehr mache): Ich habe nicht mit dem Geschäftsführer vorab genau den Auftrag geklärt. Also: was muss im Medientraining genau passieren, damit er hinterher hätte sagen können, das Training hat sich gelohnt?

Kriterien für die Auswahl des Medientrainers

Dieses Beispiel führt zur Frage, wie sich der „richtige Medientrainer“ finden lässt. Denn letztendlich kochen alle Medientrainer mit Wasser und die Inhalte ähneln sich oft. Wichtig sind dabei vor allem zwei Aspekte:

Stimmt die Chemie zwischen Ihnen und dem Medientrainer? Können Sie sich vorstellen, einen ganzen Tag mit ihm zu arbeiten und auch seine Anregungen und sein Feedback konstruktiv aufzunehmen? Diese Frage lässt sich manchmal schon mit einem Blick auf ein Foto oder ein Video beantworten. Jedenfalls sollten Sie Ihrem Bauchgefühl folgen – rational begründen lässt sich das manchmal nicht.
Eine rationale Entscheidung allerdings kann mit dem Blick darauf getroffen werden, mit welchem Konzept der Medientrainer arbeitet. Für mich beispielsweise ist systemisches Arbeiten und die damit verbundene Haltung sehr bedeutsam. Um nur ein Beispiel zu nennen: Was im Training oft die größte Herausforderung darstellt, ist die Kunst, Dinge nicht unnötig stark zu bewerten. Wenn etwas nicht funktioniert, dann braucht es keine weitere Analyse. Es reicht aus, im Training – und später dann auch in der realen Situation – etwas anderes zu versuchen. Zum Beispiel eine alternative Herangehensweise zu entwickeln.

Systemisches Medientraining passt nicht immer

Wer also einen Medientraining sucht, in dem klare Ansagen gemacht werden oder Medienauftritte wie ein Stunt betracht werden, für den bin ich auf jeden Fall der „falsche Medientrainer“. Das gilt natürlich genau so auch für die Fälle, in denen eine Medientrainerin gesucht wird. Wer lieber mit einer Frau arbeiten möchte, für den bin ich natürlich auch der Falsche – und ich meine das völlig wertfrei. Zwischen Trainee und Medientrainer muss einfach passen. Das ist die wichtigste Voraussetzung für ein gelingendes Medientraining.

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