Jahresrückblicke werden in manchen Bereichen als sehr überflüssig empfunden – an den Börsen beispielsweise. Entscheidend sei, so die Argumentation, doch die Zukunft und nicht das, was war.
Für mich ist es allerdings auch gut auf die Vergangenheit zu schauen, weil ich aus dem, was ich erlebt habe, lerne – ich versuche es zumindest.
Und deswegen schreibe ich diesen Jahresrückblick – weniger um Erfolge zu feiern, als vielmehr deswegen, weil es vielleicht auch für Sie relevant in Ihrer Zusammenarbeit mit mir sein könnte oder einfach auch deswegen, weil Sie es hoffentlich einfach interessant finden.
Das Jahr 2025 war wirtschaftlich nicht einfach, aber auch weit davon entfernt, dass ich mich beklagen müsste. Mein Youtube-Kanal BÖRSE TV hat seinen ersten Geburtstag gefeiert und konnte zarte Erfolge feiern: er hat mittlerweile 630 Abonnenten und einzelne Interviews erzielten 8.000 (organische) Aufrufe. Das kann sich sehen lassen, ist aber noch weit davon entfernt, dass sich der Kanal wirtschaftlich rechnet. Da werde ich im kommenden Jahr auf jeden Fall dran arbeiten.
Bei meinen Medientrainings habe ich 2025 einen ganz besonderen Menschen begleiten dürfen: eine Politikerin. Das ist insofern eine große Ausnahme für mich, weil ich eigentlich gar nicht mit Politiker:innen zusammenarbeite – weniger aus Überzeugung, es ergibt sich einfach nicht. Schon vor fünf Jahren hatte ich aber erstmals die Gelegenheit, eine parteilose Kandidatin für das Amt der Bürgermeisterin der Stadt Ochtrup in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen. Christa Lenderich gewann die Wahl damals und für die Wiederwahl in diesem Jahr hat sich mich in ihr „Wahlkampf-Team“ gebeten. Dreimal war ich in Ochtrup, unter anderem haben wir dabei eine Bürgerversammlung simuliert. Ich war beeindruckt, mit wieviel Herzblut Christa Lenderich sich dieser Aufgabe angenommen hat, und wieviel Unterstützung sie dabei auch von ihrem Mann Franz erfährt. Ochtrup hat Glück mit dieser Bürgermeisterin. Das wissen sie auch und haben Christa Lenderich im September im ersten Wahlgang wiedergewählt.
Ein weiteres sehr besonderes Medientraining habe ich für zwei angehende Zimmerer-Meister durchgeführt. Sie wollten sich auf die Ausbildereignungsprüfung vorbereiten und haben trainiert, wie sie einem Azubi eine Aufgabe erklären: das Abgraten eines Gratspans mit dem Hobel und das Ausarbeiten eines Zapflochs mit Stemmeisen und Klopfholz (Wörter und Begriffe, wie ich sie mein Lebtag noch nicht gehört habe). Ich war sehr beeindruckt, mit wieviel Begeisterung und Ernsthaftigkeit sich die beiden auf ihre neue Rolle vorbereiten. Und es war deswegen für mich aus zwei Gründen außergewöhnlich: zum einen habe ich noch nie Handwerker trainiert und zum anderen: einer der beiden war mein Sohn Joseph. Jetzt ist er Zimmerer-Meister.
Ich musste mir in diesem Jahr immer wieder einen Satz des Philosoph Odo Marquard vor Augen führen: „In der Welt ist mehr Nicht-Krise als Krise“. Ich musste es mir deswegen immer wieder vor Augen führen, weil mich die Krisen immer deutlich mehr beschäftigen als die Nicht-Krisen.
Zum Beispiel bei der Akquise: Alle paar Monate fällt sie mir vor die Füße. Und alle paar Monate erinnert es mich daran, dass Akquise immer dann stattfinden sollte, wenn ich aktuell viel zu tun und keine Zeit für sie habe. Und ein weiteres Thema wird dabei immer wichtiger: Akquise hängt sehr stark am persönlichen Netzwerk – und das geht, zumindest in meinem Fall, zunehmend in den Ruhestand. Tja, und was dann? Die Beschäftigung damit wird eines meiner wichtigsten Themen für das kommende Jahr sein.
Als Medientrainer arbeite ich immer alleine – und schnell gerate ich in ein „das mache ich immer so“. Deswegen ist mir der fachliche Austausch mit Kolleg:innen sehr wichtig. Nach mehrjähriger Pause bin ich deswegen wieder in den Bundesverband Medientraining eingetreten. Der fachliche Austausch ist sehr inspirierend und auch die Tatsache, dass ich nun wieder in den Genuss regelmäßiger Weiterbildungen komme, zum Beispiel in diesem Jahr zum Thema „Transferwirksamkeit“. Also: wie bleibt das „hängen“, was es an Erkenntnissen und Erfolgen im Medientraining gibt. Schon seit Jahren gehören Follow-Ups zu jedem meiner Trainings – künftig werden die aber bei mir substantiell anders aussehen.
Kein Jahresrückblick ohne das Mega-Thema „Künstliche Intelligenz“. Natürlich spielt das in meinen Medientrainings eine Rolle – aber bei Fragen der individuellen Wahrnehmung stoßen wir da schnell an Grenzen (noch, muss man wohl sagen). Wie wirke ich vor Publikum? Wie gehe ich mit Aufregung um? Wie lautet meine Kernbotschaft? Das sind immer noch zutiefst individuelle Fragen, die im persönlichen Gegenüber besprochen werden müssen.
Diese Fragen, die ich sonst nur meinen Trainees stelle, musste ich mir im Dezember selbst stellen. Das war sehr ungewohnt. Ich war Interviewgast bei wallstreet:ONLINE tv – dem YouTube-Kanal, für den ich seit fünf Jahren Interviews führe und der nun die Marke von 50.000 Youtube-Abonnenten erreicht hat. Ich war sehr aufgeregt: Nicht Fragen zu stellen, sondern sie zu beantworten, das ist schon etwas anderes – eine sehr gute Übung für jeden Medientrainer. Und das Ergebnis? Ich fand es zumindest okay.
Und weil es wichtig ist, nicht stehen zu bleiben, habe ich mir (endlich mal wieder) eine Fortbildung gegönnt, an der Süd-dänischen Universität in Sønderborg. Dabei ging es um das akustische Charisma in der Stimme, das sich über die Kriterien Kompetenz, Leidenschaft und Selbstbewusstsein messen lässt. Bei Prof. Oliver Niebuhr kam ich zwei Tage lang in den Genuss einer Einzel-Vorlesung und bin nun als „Acoustic Voice Profiler“ zertifiziert.
Bei der Unterkunft in Dänemark wollte ich meinem üblichen Reflex folgen und nach folgenden Kriterien buchen: praktisch, preiswert, nah. Glücklicherweise habe ich das auf die nachdrückliche Empfehlung meiner Frau nicht getan. So habe ich ein schönes Hotel vor den Toren von Sønderborg gefunden, ein ehemaliges Nonnenkloster, direkt am Meer gelegen – ein Idyll der Ruhe. Und natürlich bin ich einen Tag länger geblieben. Das wird auch ein Thema für das kommende Jahr sein: Augen auf bei der Auswahl der Unterkunft. Sie sollte so schön sein, dass ich gern mindestens einen Tag länger bleiben würde.
Das Acoustic Voice Profile wird übrigens 2026 zum obligatorischen Bestandteil meiner Medientrainings. Ein „Systemischer Medientrainer“, der auch „Acoustic Voice Profiler“ ist – davon gibt es in Deutschland nicht viele – eigentlich nur einen!
Also:
Die Systemische Haltung und das Acoustic Voice Profile werden meine Medientrainings noch mehr bestimmen.
Ich werde meine Präsenz als Moderator von Kapitalmarkt-Interviews auf YouTube ausbauen – vor allem in meinem Kanal BÖRSE TV.
Und: Bei allem, was ich mache, möchte ich – wie bisher – mit netten und angenehmen Menschen zusammenarbeiten, so dass anschließend beide Seiten sagen können: Diese Zusammenarbeit hat sich gelohnt und sie hat Spaß gemacht.



