Der Ton macht die Musik: Warum es sich lohnt, die eigene Stimme zu trainieren

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum manche Menschen im Fernsehen oder in Video-Calls sofort souverän wirken, noch bevor sie den ersten Satz beendet haben? Der Grund liegt selten allein im „Was gesagt wird“, sondern meist im „Wie etwas gesagt wird“.

Ein kleiner Einblick aus meiner Praxis:

Neulich hatte ich eine Führungskraft bei mir im Medientraining, die eine Begrüßungsrede vorbereiten sollte. Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen: »Was soll ich denn da sagen? Ein ›Herzlich willkommen!‹ ist doch langweilig und völlig überflüssig.«

Beim Üben hat man sofort gehört: Seine Stimme war flach, fast schon ein wenig lustlos.

Wir haben dann umgedacht. Statt bei den üblichen Floskeln zu bleiben, hatte ich die Idee, er könne doch über das eigentliche Thema der Veranstaltung sprechen: Innovation. Ein Thema, für das er persönlich wirklich brennt. Und plötzlich drehte sich alles: In dem Moment, als die Leidenschaft für den Inhalt da war, veränderte sich seine Stimme komplett.

Seine Stimme wurde zu seiner »akustischen Visitenkarte« – akzentuiert, begeistert und mitreißend. Diese Veränderung war so deutlich, dass wir sie später sogar in seinem Acoustic Voice Profile schwarz auf weiß nachweisen konnten.

Das Acoustic Voice Profile wird erstellt von All Good Speakers, eine Forschungseinrichtung von Prof. Oliver Niebuhr, der Süd-dänischen Universität in Sønderborg.

Das zeigt mir immer wieder: Wenn die innere Haltung stimmt, folgt die Stimme ganz natürlich. Doch was können Sie tun, wenn die Begeisterung einmal nicht von selbst kommt?

Was sich hinter unserer Tonlage versteckt

Stimme ist das Instrument, das Ihre Botschaft transportiert. Wenn der Ton nicht stimmt, kommt selbst die brillanteste Information nicht optimal beim Gegenüber an.

Untersuchungen zeigen, dass wir tieferen Stimmen, die ruhig und kontrolliert klingen, automatisch mehr Kompetenz zuschreiben. Das Problem: Unter Stress – etwa bei einer kritischen Frage im Interview – reagiert unser Körper. Die Atmung wird flacher, die Muskeln spannen sich an und unsere Stimme rutscht oft ein Stück nach oben. Wir klingen gepresst, sprechen schneller und wirken dadurch unbewusst unsicher.

Besonders im Video-Call ist das tückisch. Da wir dort oft das Gefühl haben, eine physische Distanz überbrücken zu müssen, neigen viele dazu, zu laut oder übertrieben akzentuiert zu sprechen. Doch gerade hier ist die sogenannte Indifferenzlage entscheidend – Ihre natürliche Wohlfühlstimme, in der Sie entspannt, authentisch und resonanzreich klingen.

3 Praxistipps: So bringen Sie Ihre Stimme auf Kurs

Damit Ihre Botschaft im nächsten (Video-)Interview nicht nur gehört, sondern auch geglaubt wird, helfen diese einfachen, aber effektiven Übungen:

  1. Die „Summ-Übung“ für die Resonanz:
    Summen Sie vor dem Termin ein lockeres „Mmmmh“. Spüren Sie das Kribbeln in den Lippen? Das lockert die Stimmbänder und bringt Ihre Stimme in die Brustresonanz. Sie klingen sofort wärmer und souveräner.
  2. Lächeln – man hört es tatsächlich:
    Ein leichtes Lächeln beim Sprechen hebt die Gaumensegel und macht den Klang Ihrer Stimme freundlicher und nahbarer. Im Video-Format ist das ein einfacher Schlüssel, um sofort Sympathiepunkte zu sammeln.
  3. Die Korken-Übung für klare Kanten:
    Nehmen Sie einen (sauberen) Weinkorken zwischen die Zähne und lesen Sie einen kurzen Text laut vor. Das trainiert die Artikulationsmuskulatur. Wenn Sie den Korken absetzen, sprechen Sie deutlich präziser – perfekt für prägnante Statements.

Warum Training den Unterschied macht

Souveränität ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis von Bewusstsein. Wer seine Stimme kennt, kann sie auch in stürmischen Momenten als Anker nutzen. Es geht dabei nicht darum, eine Rolle zu spielen, sondern Ihre natürliche Präsenz freizulegen.

Ihre Stimme ist Ihr stärkster Verbündeter

Egal, worauf Sie sich gerade vorbereiten: Ihre Stimme ist ein lebendiges Werkzeug. Wenn Sie lernen, Ihre natürliche Tonlage bewusst einzusetzen, bringt Sie so schnell nichts mehr aus der Ruhe und Sie wirken deutlich überzeugender.

Mein Ziel als Medientrainer ist es, dass Sie sich in jeder Gesprächssituation authentisch fühlen – ohne sich zu verstellen. Wenn Sie Ihre akustische Visitenkarte gemeinsam mit mir schärfen möchten, zum Beispiel über die Analyse Ihres Acoustic Voice Profiles, freue ich mich auf Ihre Nachricht. Lassen Sie uns schauen, wie wir Ihre Botschaft noch selbstbewusster, leidenschaftlicher und kompetenter klingen lassen können.

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